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05.09.2017 09:19

Recht | Ist meine Praxis-Website abmahngefährdet?

„Ich habe eine Internetpräsenz für meine Praxis, auf der ich auch meine Leistungen präsentiere und meine Therapeuten mit ihrer Qalifikation vorstelle. Ist meine Website deshalb abmahngefährdet?“

Experten-Antwort

Eine Internetseite der Praxis gehört heute so selbstverständlich dazu, wie der Anmeldetresen. Es können mehr Patienten erreicht und Informationen einfacher und leichter präsentiert werden. Viele wissen dabei jedoch nicht, dass für Internetseiten von Heilberuflern strenge Regeln gelten. Werden diese verletzt, drohen teure Abmahnungen (oftmals über 1.000 Euro).

Die größten Gefahren lauern im Heilmittelwerbegesetz. So ist es beispielsweise verboten, mit Heilversprechen zu werben. Gerichte sind oft sehr streng. Heilversprechen werden von Richtern bisweilen in harmlos klingende Formulierungen regelrecht hineingelesen – sehr zum Ärger der Betroffenen.

Richter haben bereits Sätze für unzulässig befunden wie: „Unser Ziel ist es, Sie von Ihren chronischen Leiden zu befreien.“ Die Richter meinten, es entstünde der Eindruck, eine Behandlung führe mit Sicherheit zur Behebung des Leidens.

Eine beliebte Stolperfalle ist das Wort „ganzheitlich“. So könnte man unter einer ganzheitlichen Behandlung nicht nur eine Betrachtung des gesamten Körpers und des Geistes verstehen, sondern meinen, es würden alle möglichen Leiden – ganz gleich welcher Art – behandelt. Dies ist aber streng genommen nur Ärzten erlaubt.

Gefährlich ist auch eine verknüpfende Darstellung von Therapie und Indikation. Richter haben nämlich bereits darin ein verbotenes Heilversprechen gesehen, wenn es etwa hieß: „Lymphdrainage hilft z. B. bei Lymphödemen.“ Therapien sollten daher stets rein beschreibend dargestellt werden.

Ein Internetauftritt ist heute wichtig, um einen breiten Kreis an Patienten anzusprechen. Auf eine Internetseite sollte daher kein Therapeut mehr verzichten. Bei Abmahnungen drohen hohe Strafen. Darum ist es unerlässlich, sich vor Veröffentlichung der Internetseite intensiv mit dem Thema Werberecht im Heilmittelbereich auseinanderzusetzen.

Wer sich unsicher ist, kann sich gerne an die VPT-Rechtsabteilung wenden.

Unser Experte

VPT-Bundesjustiziar D. Benjamin Alt ist niedergelassener Rechtsanwalt und berät Sie unter anderem zu Themen wie Arbeitsrecht, Praxisgründung, Praxisverkauf und Praxisübernahme, Haftungsrecht, Abrechnung, Patientenrechte sowie Wettbewerbs- und Werberecht.

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