Sie befinden sich hier

22.10.2019 14:41

Recht | Kann ich als freie Mitarbeiterin und Praxisangestellte arbeiten?

Sie fragen, wir antworten:

Ich bin als Physiotherapeutin in einer Praxis angestellt und möchte zusätzlich als freie Mitarbeiterin für diese Praxis tätig sein, um mir noch etwas flexibel hinzuzuverdienen. Ist das möglich?

VPT-Justiziar D. Benjamin Alt gibt Antwort auf diese Frage.

Experten-Antwort

Grundsätzlich können Sie in einer Praxis nicht als Arbeitnehmerin und zugleich freie Mitarbeiterin tätig sein. Dies wäre nur im absoluten Einzelfall möglich und es ist unwahrscheinlich, dass die Rentenversi-cherung (DRV) diesen anerkennt. Denn die freie Mitarbeiterschaft gilt als Selbstständigkeit. Im Rahmen eines Statusfeststellungsverfahrens müsste die DRV bestätigen, dass Sie tatsächlich einen Teil der Tätigkeit als abhängig Beschäftigte ausüben und einen anderen Teil als Selbstständige. Für den selbstständigen Teil müsste die Praxis dann keine Sozialabgaben zahlen. Uns sind keine Therapeuten bekannt, die diesen Status von der DRV bestätigt bekommen haben.

Sollten Sie in derartiger Konstellation arbeiten, besteht bei einer Prüfung durch die DRV eher die Gefahr, dass die Tätigkeit als freie Mitarbeiterin als Scheinselbstständigkeit eingestuft wird. Das würde zu Sozialabgaben für die Praxis führen und könnte massive Forderungen an den Praxisinhaber nach sich ziehen. Sollten Sie eine solche Konstellation anstreben, ist fraglich, ob das Statusfeststellungsver-fahren den gewünschten Erfolg bringt.

Der andere – üblicherweise vorzuziehende – Weg wäre, dass die Praxis Ihnen als Therapeutin Räume untervermietet und hierfür einen Mietvertrag mit Ihnen abschließt. Dieser könnte auch stundenweise mit nachträglicher Abrechnung geschlossen werden. Voraussetzung ist, dass die Untervermietung zu Zeiten stattfindet, in denen gesetzlich versicherte Patienten nicht aufgrund einer Kassenverordnung behandelt werden, und dass der Vermieter des Praxisinhabers mit der Untervermietung einverstanden ist. Eine Umsatzbeteiligung darf dadurch allerdings nicht stattfinden. Wenn Sie beide eine derartige Vorkehrung treffen und Sie sich als Therapeutin im Rahmen ihrer Selbstständigkeit vollständig alleine organisieren sowie ihre eigenen Patienten behandeln, würden wahrscheinlich bei einer Prüfung durch die DRV keine negativen Folgen für die Praxis entstehen. Als selbstständige Therapeutin müssen Sie allerdings mit den Sozialversicherungsträgern klären, ob und in welcher Höhe Sie Sozialabgaben für ihre selbstständige Tätigkeit zu zahlen haben. Wenden Sie sich hierfür an die DRV und an Ihre Krankenversicherung.

Ihr VPT-Vorteil

Als VPT-Mitglied steht Ihnen unsere Rechts­abteilung zur Seite. Das VPTMAGAZIN beleuchtet knifflige Fälle aus der Praxis.

Wenden Sie sich mit Ihrer rechtlichen Fragestellung an Ihre Landesgruppe oder an die VPT-Rechtsabteilung, die Mitgliedern eine kostenlose Erstberatung anbietet:

D. Benjamin Alt 
Eilendorfer Straße 44 
52078 Aachen 
Telefon: 0241 955 97 991 
Fax: 0241 955 97 992 
E-Mail: Alt@remove-this.VPT.de 
Internet: www.RechtsanwaltAlt.de 
VPT-Sprechzeiten: Montag bis Freitag von 9 bis 14 Uhr.

Kontextspalte